5. Verhandlungstag gegen die Brandstifter aus Altena

Heute am 5. Juli, fand um 9:30 Uhr der fünfte Verhandlungstag gegen die Brandstifter von Altena vor dem Hagener Landgericht statt. An diesem Tag wurden 13 geladene Zeug*innen und zwei ungeladene Zeug*innen in den Zeugenstand gerufen.

Zuerst wurde Hauptkriminalkommissar Beckert aus Hagen vernommen, der mit der Durchsuchung der „Schrauberhalle“ von den beiden Hauptangeklagten beauftragt. Dieser berichtete, dass er den Kanister mit dem Brandbeschleuniger beschlagnahmt hat. Von diesem 5-Liter-Kanister fehlten zwei Liter des Benzins. Als nächstens wurde die Dolmetscherin, die für die Familie der Nebenkläger übersetzt hat, in den Zeugenstand gerufen. Sie berichtete, wie auch andere zuvor, die sich mit der Vernehmung der Familie beauftragt waren, dass die Familie seit der Tat nicht in Angst gelebt habe und dass sie wohl auf sein.

Anschließend wurde Frau Hoffmann geladen. Sie ist die ärztliche Leitung des Rettungsdienstes in Hagen und ist für einen großen Teil (25-30%) der Ausbildung der Rettungssanitäter zuständig. In diesem Kontext hat sie den Angeklagten Denkhaus kennengelernt. Was sie über den Angeklagten berichtete, war, dass Dirk durch seine geistige Abwesenheit bei körperlicher Anwesenheit auffiel. Er sei oft müde gewesen und sei auch mehrere Male im Unterricht eingeschlafen. Der Angeklagte habe sich im Unterricht nie zu politischen Themen geäußert, auch nicht bei Besuchen der Suppenküche oder Luthers Waschsalon, die Frau Hoffmann in den Unterricht integrierte um das ethische Weltbild der Auszubildenden zu festigen. Frau Hoffmann hat einige Male mit Dirk über die Müdigkeit im Unterricht geredet und hat somit herausgefunden, dass Dirk seinem Vater viel helfe und deswegen wenig schlafe. Nachdem der Hauptangeklagte die Prüfung zum Rettungssanitäter nicht bestanden hat, hat sie sich dafür stark gemacht, dass Dirk eine zweite Chance bekommt. Der Aussage von Frau Hoffmann schlossen sich noch eine Aussage von einem weiteren Ausbilder an, der einen praxisorientierten Unterricht hielt und er beschreibt Dirk aufgeweckt. Keine politischen Interessen seinen ihm vom Hauptangeklagten bekannt. Auch der Ausbildungsleiter aus Lüdenscheid, der die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr, wie auch der Berufsfeuerwehr leitet, konnte mit keinen neuen Erkenntnissen der Verhandlungen beitragen.

Der Schwerpunkt des heutigen Tages lag auf der Vernehmung der Zeugin Debby H., der langjährigen Freundin des Angeklagten Denkhaus zum Tatzeitpunkt. Debby wurde von der Vorsitzenden des Gerichts gefragt, wie sie von dem Feuer erfahren habe. Debby antwortete darauf, dass Dirk von seinem Vater am Morgen angerufen wurde, es sei ihr komisch vorgekommen, da es nicht die gewohnte Reaktion am Telefon von Dirk gewesen sei. Am Brandtag gab es für sie noch keinerlei Verbindung zwischen ihrem Freund und der Tat. Eigentlich habe sie es erst gewusst, als der Durchsuchungsbeschluss an der Haustür von Dirk gehangen habe. Aber diese Ausführung, ob sie es erst wusste durch den Besuchungsbeschluss oder über andere Wege legt sie etwas konfus dar. Sie wiederholte einige Male, dass sie ihn darauf angesprochen habe, ob er etwas mit der Tat zutun hat, darauf habe sie aber lediglich ein Schulterzucken als Antwort bekommen. Nach ihrer Schilderung sei sie nach diesen Antworten sauer geworden und habe Dirk folgende Sprachnachricht hinterlassen: „Hoffentlich kommt das raus und du landest dafür im Knast!“ (vgl. Bericht vom zweiten Verhandlungstag)
Allgemein haben Dirk und sie sich nicht über Asylpolitik unterhalten. Dennoch weiß sie, dass Dirk nicht begeistert war über die Tatsache, dass Flüchtlinge nebenan einziehen sollten. Während Dirk Angst um sein Haus, Angst vor Diebstahl, Müll und Einbrüche hatte, wurde Debby (nach eigener Aussage) hysterisch. Sie habe sich geweigert mit Dirk noch länger zusammen in dem Haus zu leben, sie hätte Angst vor den 24 Stundenschichten und der damit verbundenen Einsamkeit in direkter Nachbarschaft zu der Unterkunft. Sie hatte Angst, dass die von den Geflüchteten angesprochen oder „angemacht“ werden würde. „Ich habe Angst vor der Distanzlosigkeit der Asylanten“ wiederholte sie mehrfach entschlossen.
Wie habe Dirk auf ihre Ängste reagiert? Er habe nur gesagt: „Lass uns das zusammen in den Griff bekommen“. Dies habe er aber nicht mit konkreten Ideen gefüttert, immer nur gesagt, dass sie das in den Griff bekommen. Sie berichtete, dass nach der Tat sich das Gemüt des Hauptangeklagten verändert habe. „Er wurde immer verschlossener, er war nicht mehr mein Dirk“.
Sie sagt aus, dass sie nichts von irgendwelchen rechtsradikalen Post ihres Freundes im Internet oder über sonstige rechtsradikale Einstellungen wüsste.
Die Zeitangaben, die Debby macht, wirken verdreht, während die Durchsuchung von Dirks Haus am 6.10.2015 stattfand, wurde bei Gericht Whatsappausschnitte vom Tattag (03.10.2015) vorgelesen. Sie schreib Dirk in einer privaten Nachricht: „Du bist am Arsch!“
Doch der Whatsappverlauf hat noch mehr offen gelegt. Während sie immer sagte, dass die Flüchtlinge zuvor kein Thema gewesen sein, legte der Verlauf dar, dass es sehr wohl schon zuvor ein Thema war. Mitteilungen der Art: „Flüchtlinge lassen sich in ihren Markenkleidungen, mithilfe ihrer Smartphones zum Amt navigieren“, „Dieses Pack!“ und „Deutsche sind schlimm, doch die sind 100 Mal schlimmer“ verlas die Richterin laut.

Die Richterin fragte nach dem Verhältnis zu Dirk vor der Tat. Debby berichtete, dass es eine „fast“ Trennung 10 Tage vor der Tat gab, dass sie zu ihrer Mutter gezogen sei. Die Richterin fragte nach der nichtbestanden Prüfung von Dirk, dies konnte sich Debby nicht erklären. Vielleicht hat er einfach zu wenig gelernt, sonst wüsste sie nichts. Nachdem die Zeugin unvereidigt entlassen wurde, hat sie den Raum verlassen um mit ihrer Mutter in den Raucherraum zu gehen.

Zwischen der Befragung von Debby und dem Beginn der Verhandlungspause wurden noch zwei weitere Zeigen in den Zeugenstand gerufen. Zum einen der Immobilienfachwirt, der das Haus betreut, wo die Geflüchteten untergebacht waren und ein Bürger aus Altena, der das Facebook-Profil von Denkhaus gesichert und der Staatsanwaltschaft überreicht hat.

Nach der Pause wurde ein Prozessbesucher in den Zeugenstand gerufen, der das Gespräch zwischen Debby und ihrer Mutter im Raucherraum mitgehört hat. Er beschrieb, dass Debby geweint habe und gesagt habe:“Das mit dem Vater konnte ich nicht sagen.“ daraufhin habe die Mutter zur Tochter gesagt, dass es ja recht gut gelaufen sei. Dies kam dem Besucher so seltsam vor, dass er es den Anwälten der Nebenklage mitgeteilt hat. Daraufhin wurde Debby H. erneut in den Zeugenstand gerufen und zu der Unterhaltung im Raucherraum befragt. Auf die Frage, ob es Dinge im Prozess gab, die sie nicht hätte sagen können, verneinte Debby. Debby erzählte, dass das Gespräch einen ganz anderen Kontext gehabt hätte. Die Richterin glaubt ihr nicht und sagt dies der Zeugin offen. Debby gibt an, dass sie nicht erzählt habe, dass Dirk seinem Vater im Betrieb hilft, da sie nicht weiß, ob es sich hier im Schwarzarbeit handele. Richterin wird bestimmter und wirft Debby vor, dass sie Debby bei der ersten Vernehmung die Möglichkeit eingeräumt habe, über dieses Thema zu sprechen. Nein, sie habe Debby nicht nur die Möglichkeit eingeräumt, sie habe sie förmlich darauf hingewiesen.

Nach der Zweitvernehmung von Debby wird ihre Mutter in den Zeugenstand gerufen, diese verweigert aber ihre Aussage.

Im Anschluss wurden noch drei unmittelbare Nachbarn der Familie Denkhaus vernommen, die aber keine weiteren Informationen über die Tatnacht beitragen konnten. Alles, was die Vernehmung der drei Anwohner zu Tage brachte, war, dass die Polizeiprotokolle nicht ganz mit der erinnerten Realität der Anwohner übereinstimmten.

Die letzten beiden Zeugen des Verhandlungstages waren Herr Schütte und Frau Schwarz der Polizei Hagen, die die Ermittlung unterstützt hatten. Sie waren mit der Ermittlung an dem Tathaus, sowie an der Tankstelle befasst. Bei der Auswertung des Videomaterials der Tankstelle fiel die Kleidung des Mannes auf, der das Benzin kaufte. Neben den roten Turnschuhen trug er eine Kappe mit dem Emblem der Band „Böhse Onkelz“.

Zum Schluss der Verhandlung stellt der Anwalt des Angeklagten Denkhaus den Antrag, dass die Bilder auf dem Handy des Angeklagten nicht unter dem Konstrukt des Rassismus in die Verhandlung mit einfließen dürften. Er bemängelt das Verhalten der Anwälte der Nebenkläger. Sie brächten solche Begriffe ins Spiel und würden vorab Wertungen in den Prozess mit einbringen. Die Staatsanwaltschaft hält den Beweismittelantrag der Nebenklage für zulässig. Die Bilder des Handys des Angeklagten dürfen als Beweismittel in die Verhandlung mit einfließen.

ak antifa Hagen

aktionskreis antifaschismus hagen, antifa

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